Menschen, die die Welt bereicherten

 

Termin:

09.09.2020; 20:00 Uhr; Einlass  ab 19:30 Uhr

Veranstaltungsort:

Evangelisches Gemeindehaus, Am Hohlberg 19,
61462 Königstein/Schneidhain

Thema des Abends:


Beethoven - ...


Referent:

Gerhard Schroth

mit musikalischem Beitrag von

Rolf Kohlrausch



Zusammenfassung:

  Werk und Wirken Beethovens  

Immer wieder kommt es vor, dass hervorragende Künstler erst mit einem Jubiläum angemessene Anerkennung finden, manchmal erst nach ihrem Tode. Man denke etwa an Clara Schumann und ihren 200. Geburtstag vor einem Jahr. Ganz anders verlief Beethovens Laufbahn. Schon als Knabe gewann er Anerkennung als Pianist, Improvisator und nicht zuletzt Komponist. Als Mitglied einer Musikerfamilie über mehrere Generationen hinweg fand er stets potente Förderer, die etwa die Reise des 17-Jährigen nach Wien (zu Mozart?) finanzierten, später zu Haydn. Gebremst wurde die unaufhaltsame Karriere nur durch das Gehör, das bereits vor dem 30. Lebensjahr in den folgenden 20 Jahren schrittweise schwand und alle Aktivitäten als Pianist oder Dirigent blockierte. Umso einzigartiger ist das kompositorische Werk aufgrund seines Umfangs wie seiner Vielfalt, auf allen Gebieten schuf er Neuheiten: neun Sinfonien, die er mit einem Chor-Finale krönte, 5 Klavierkonzerte, eine Oper, Kammermusik, Solokonzerte, um nur die wichtigsten zu nennen. 32 Klaviersonaten bilden in der Überhöhung der klassischen Form einzigartige Marksteine: von der „Pathétique“ und der „Sturm“-, der Waldstein“-Sonate und der „Appassionata“ bis zu der Sonate „Les Adieux“. Für Dirigenten wie Pianisten sind Konzertaufführungen wie Einspielungen zu Schlüsselereignissen ihrer künstlerischen Laufbahn geworden.

Angesichts der nie nachlassenden Intensität könnte man die Fülle an Aufführungen des gewaltigen Werks für entbehrlich halten, hätte nicht schon das Jubiläumsjahr schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf weniger präsente Werke, etwa im Bereich der Kammermusik, gelenkt, so dass nicht eine Erschöpfung des Interesses zu befürchten ist. Es ist vielmehr erstaunlich, wie in der musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung immer wieder neue Aspekte auftauchen, etwa in der Wirkungsgeschichte. Dass das Werk Beethovens selbst unverminderte Frische bewahrt, gehört zu seinen einzigartigen Vorzügen. Und es ist die Freude, der schöne Götterfunke, der mit und in der Musik alle Grenzen überstrahlt.               GS




Vita:

Herr Schroth ist 1937 in Frankfurt geboren. Er verbrachte hier auch seine Schul- und Studienjahre (Musikhochschule und Universität). Nach einigen Jahren im Schuldienst (Hofheim, Oberursel) leitete er 1977 bis 2002 die Musikschule Taunus in Eschborn, seit 1966 ist er als Musikkritiker tätig, zunächst bei der Frankfurter Neuen Presse, ab 1970 für die F.A.Z. Weitere Aktivitäten: Lehraufträge an den Musikhochschulen in Frankfurt und Mainz, Vorstandstätigkeit für den Landesmusikrat Hessen und den Frankfurter Tonkünstlerbund, 1990 Gründung und seitdem Leitung der Eschborner Museumskonzerte, daneben ist er als Pianist (Liedbegleiter und Kammermusiker), Organist (St. Nikolaus Niederhöchstadt und benachbarter Gemeinden) und Referent (Konzerteinführung) tätig. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

 


Der Pianist Rolf Kohlrausch stammt aus Hannover und erhielt seinen ersten prägenden Klavierunterricht durch Gertrud Morgenstern-Konwitschny, einer Schwester des berühmten Gewandhaus-Kapellmeisters Franz Konwitschny. Er studierte bei Branka Musulin, Sontraud Speidel und Leonard Hokanson in Frankfurt/M. und Karlsruhe, ergänzt durch Privatunterricht in Paris bei Yvonne Lefébure, der ehemaligen Assistentin von Alfred Cortot.

Auftritte in Deutschland und weiteren Ländern Europas zeugen von einer regen Konzerttätigkeit. Bei seinem Debut in London sprach der Kritiker des Daily Telegraph von einer „lebendigen Wiedergabe“ und einem „individuellen geistreichen Spiel“. 2012 gelang ihm der Sprung nach Lateinamerika. Erstmalig gastierte er in São Paulo, Rio de Janeiro, Bogotá und Medellin, wo ihn das Publikum stürmisch feierte. Das führte 2015 zu einer erneuten Konzertreise durch Kolumbien, bei der Kohlrausch, außer wieder nach Bogotá, auch zu zwei Gastspielen beim XXXII. Festival de Piano der Universidad Industrial de Santander in Bucaramanga und Barrancabermeja eingeladen wurde.

Neben seinen Konzerten wirkt Kohlrausch auch als engagierter Pädagoge, der allen Interessierten gern den Weg zur Musik ebnet. 1985 folgte er einem Ruf an die Augsburger Universität als Leiter einer Klavierklasse. 2007 weitete er seine Lehrtätigkeit zusätzlich auf die Universität Würzburg aus. Diese Tätigkeiten hat er 2018 auf Grund neuer künstlerischer Herausforderungen beendet. Privaten Klavierunterricht erteilt er allerdings weiterhin.